Mandalas – Hintergründe

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Deine wahre Natur ist es, glücklich zu sein; es ist daher nicht
falsch, nach diesem Zustand zu streben. Falsch ist es nur,
das Glück außen zu suchen, denn es ist innen.
– Shri Ramana Maharshi

Ein wenig Theorie und meine Erfahrungen mit den Kreisbildern:

Auf meiner ersten Reise nach Indien und Nepal (1994) habe ich immer wieder staunend in Klöstern, Tempeln, Museen und Ausstellungen gestanden und habe die in unserer Kultur ungewohnten Kreisbilder und Wandmalereien betrachtet. Ich spürte eine magische Anziehung und Wirkung auf mich. Diverse hängen inzwischen in meiner Wohnung, zum Beispiel dieses hier. Bei entsprechender meditativer Versenkung sehe ich darin die gesamte Göttlichkeit des Universums verdeutlicht.

Thanka aus Bhaktapur

Mandalas finden sich in allen Kulturen, uralten Höhlenmalereien, bei den Medizinrädern der Indianer, den Aborigines und den Ureinwohnern Mexikos. Hier der sehr bekannte Sonnenstein der Azteken, von mir coloriert:

Sonnenkalender der Azteken

Im Christentum kamen die Mandalas vor knapp 1000 Jahren an, vor allem in Form der Kirchenfenster. Ein besonders schönes Beispiel stellt in der Notre Dame die Nordrosette dar:

Kirchenfenster als Mandala

Ein Mandala ist in der Regel auf einen Mittelpunkt ausgerichtet. Es muss nicht unbedingt kreisförmig sein, es gibt auch viereckige oder dreieckige Formen. Es wird benutzt als ein Meditationsobjekt, das beim Ansehen oder Erstellen zu vertiefter Konzentration verhelfen soll. Außerdem weist es uns hin auf die göttliche Ordnung im Universum und erinnert uns an unsere Beziehung zum Unendlichen.

Eine besondere Aufmerksamkeit gilt der „Blume des Lebens“, die oftmals Leonardo da Vinci zugeschrieben wird. Sie ist aber ein paar tausend Jahre älter, sie fand sich zum Beispiel in ägyptischen Tempelanlagen. Aber vielleicht war er der erste, der die detaillierten mathematischen, geometrischen Zusammenhänge (wieder) entdeckt hat. Hier finden sich Schlüssel für die gesamte Schöpfung, denn die heilige Geometrie, Metatrons Würfel und die platonischen Körper sind dadrin enthalten.

  Blume-des-Lebens, komplett

Wenn du Einzelheiten wissen willst: Deine Suchmaschine liefert dir dazu viele Seiten im Netz, wenn du „Blume des Lebens“ eingibst.

Inzwischen werden Mandalas (auch in Form der modernen Ausmalbilder) oft mit Hilfe eines Computers hergestellt. Ich kann nicht glauben, ob dort noch die gleiche Energie enthalten ist wie in den traditionell per Hand hergestellten Malereien. Ein tibetischer Mönch wird im Laufe des Gestaltungsprozesses viele Mantren in sein Werk hinein sprechen. Du gibst während des Ausmalens deine eigene Energie hinein und findest zu deiner eigenen Mitte.

Wenn wir ein Mandala betrachten oder (aus)malen, ist es am einfachsten, es von der Mitte nach außen hin zu gestalten, wie eine Blüte, die sich öffnet und entfaltet. Es wirkt vor allem, wenn die Symmetrie gewahrt wird und ein sich wiederholendes Muster erkennbar bleibt. Aus dieser Beschäftigung schöpfen wir Kraft, wir finden zur Ruhe und kommen zu neuer Inspiration und innerer Harmonie.

Auch in der Natur finden wir an vielen Stellen einen gleichartigen Aufbau, in jeder Blüte, in der Anordnung eines Farns oder einer Distel:

Distel in Mandalaform  Jede Blume ein Mandala

Wenn du willst, kannst du aber auch in die ganz alten Lehren einsteigen, in die tieferen Schichten der Spiritualität: Ungefähr einmal pro Jahr führt S.H. der Dalai Lama persönlich mit ein paar tausend Teilnehmer*innen eine Initiation in die Kalachakra-Tradition durch. Dabei findet dieses dazugehörige Mandala Verwendung:

Kalachakra-Tantra aus dem tibetischen Buddhismus

— Meine Gestaltungsart besteht darin, die Mandalas aus natürlichen Materialien wie Blumen, Beeren und Blättern zu legen. Ich experimentiere mit neuen Formen, zum Beispiel mit Zweigen, demnächst werden Steine und Sand dazu kommen. Auch Mandalas, die ich direkt in der Natur lege. Irgendwie fühle ich mich an die Kreationen von Andy Goldsworthy und Richard Long erinnert. Ein Unterschied ist, dass bei mir die Mitte eine Relevanz erhält. Als Intention geht es mir darum, dass mich die Gestaltung in meine eigene Mitte führt. Genauso, wie auf einer unbewussten Ebene auch die Betrachter*innen bei sich selbst ankommen oder sich an eine Ganzheit angeschlossen fühlen mögen.

Meine Arbeit geht los beim Sammeln der Zutaten, die sich in der Folge  “irgendwie” zu dieser Kreisform und zu einem Muster zusammenfinden, das ich vorher noch nicht kenne und welches sich erst im Augenblick entwickelt. Was der Nachwelt sichtbar erhalten bleibt ist (nur) eine Fotografie. Die Blätter kommen manchmal in den Smoothie, einige Reste trage ich in den Wald zurück, die Ameisen verwerten sie oder sie landen im Bioabfalleimer. Ein postfotografischer Prozess vergrößert die Aussagekraft, denn mir geht es nicht um die Authentizität des Abbildes. Durch eine Veränderung oder Intensivierung der Farben verdeutlicht sich die mit dem Unterbewusstsein kommunizierende Symbolik und kann den/die Betrachter*in in die Tiefe des eigenen Wesens führen. Mir ist es ein Anliegen, die numinose, vollkommene Ordnung zu verdeutlichen, die neben allem Chaos in der Natur immer vorhanden ist. Und diese Natur befindet sich nicht nur da draußen….

Abschließend ein Mandala, das vor ungefähr 100 Jahren entstanden ist und sich vor dem Grab eines indischen Weisen befindet. Was muss es damals für eine langwierige, mühevolle Arbeit gewesen sein, mit sehr einfachen Werkzeugen aus verschiedenfarbigem Marmor so ein Mandala zusammenzusetzen!

Marmormandala 100 Jahre alt

Es ist nicht nötig weit zu reisen, wer aufmerksam über die Worpsweder Bergstraße geht, findet hier auch Mandalas nach guter alter Handwerkskunst:

>> weiterlesen: meine eigenen Mandalas